Nach zwei Monaten Strand und Mittelgebirge strebten wir Richtung den Bergen, die wir auf der Südinsel erwarteten. Von Nelson und der Abel Tasman Region steuerten wir Christchurch an und wollen dort erstmal Fuß fassen.

Für Wellingten nahmen wir uns nur einen Abend Zeit, unsere Fähre ging nämlich 3:30, wie man das als arme Backpacker eben so macht. Aber der Abend war echt geil, die ganzen Bars in der Cooper Street waren einfach sehr studentisch, lockten mit guten 1 Liter Bierpreisen und waren voller Studenten. Dienstagabend eben. Nach einem Mitternachtssnack ging´s auf die Fähre und wir haben uns einfach irgendwo aufs Ohr gehauen, wie alle anderen: auf und unter Bänken und kreuz und quer lagen auf dem hübschen Teppich alle Passagiere. Nach zwei Stunden Schlaf klingelte mein Wecker, weil ich den Sonnenaufgang in den Fjorden sehen wollte. 

In Picton angekommen, stärkten wir uns mit Kaffee und Cranberry-Chicken-Pie und fuhren zum nächsten Spot, den die App Trailforks bot. Schon auf dem Weg dorthin erinnerten mich die hügeligen Nadelwälder an Kanada und wir waren froh eine Veränderung wahrzunehmen. Auf dem Campingplatz in Whites Bay erfrischten wir uns mit einem weiteren Schläfchen bevor wir den Mt. Robertson bestiegen. Das ganze war als 20km Loop mit Verlängerung auf den Gipfel angegeben. Die Verlängerung hat sich des Märchenwalds wegen echt gelohnt, des Trails wegen aber nicht. Den größten Teil davon mussten wir nämlich schieben. Bergab war der Regen aber völlig egal und es war einfach nur ein Fest mit den Enduros über die Wurzeln zu tänzeln! Nach kalter Dusche und stärker werdendem Regen hielt uns nichts und wir steuerten gleich unser erstes Ziel an: Nelson.

Dort verbrachten wir eine Woche auf einem recht günstigen Campingplatz, dessen Küche morgens und abends 10 Uhr schloss, auf jeden Fall mit verbaler Gewalt verbunden. Und wir lernten zwei deutsche Mädels kennen, die mal nicht wie 99% der Traveller waren. Meistens treffen wir auf Leute, deren Trip bis auf das Mittagslokal am Abflugtag geplant ist, die beiden waren aber genauso planlos unterwegs wie wir und ließen sich von Eindrücken anderer Leute treiben. Mit Anna und Lissi verbrachten wir einige der regenreichen Tage in der Zeit in Nelson und tauschten uns über unsere jeweiligen Essgewohnheiten mit 5 Mahlzeiten am Tag aus.

Laut Trailforks gab´s in Nelson auch viele Trails und ein Norweger, den ich in Rotorua getroffen habe, hat mir „Peaking Ridge“ empfohlen. Die Lokals sagten außerdem alle, dass die Trails im Regen echt hart sind. Deswegen testeten wir erstmal die vermeintlich einfacheren Trails, wobei auch Grade 3 Trails („Regular Trails, experienced cyclists with a good level of fitness and over 12 years of age.“) auf erdigem Boden mit tiefen Spurrinnen keine Flowtrails mehr waren. Grade 5 („Off-road trails include steep long climbs, precipitous descents, lots of rocks and dangerous drop-offs. The surface will be hugely varied and cyclists should expect rocks, roots and ruts.“) war dann sozusagen die Anzeige dafür, dass Felix mindestens einmal Bodenkontakt hatte.


Die Regentage verbrachten wir in der Bibliothek, dort gibt’s immerhin Strom, Wlan und etwas Fotoinspiration für mich. Den nächsten Sonnentag nutzten wir für Eierkuchenfrühstück im Freien und den mehr oder weniger intelligenten Aufstieg zu Peaking Ridge in der prallen Mittagssonne. Nach 700 Höhenmetern bot sich ein herrlicher Blick.

Danach mussten sich Felix‘ Nerven auf 5km ebenem Wurzelteppich beweisen. Die Abfahrt selbst war der Hammer. Hallelujah, endlich wurde das Fahrwerk mal wieder richtig durchgeschüttelt und die Unterarme wurden mal wieder fest! Nach erneutem Aufstieg in der prallen Sonne per Bikebergsteigen erreichten wir den „629“ Trail. Etwas mehr von Menschenhand geschaffen war die steile Strecke der Dehydration geschuldet nicht mehr für die ganze Reisegruppe vollständig genießbar.

Am Sharlands Park befanden sich die gebauten Downhillstrecken, die in Nelson der einzige Ort für etwas Airtime waren. Für die steilen Uphills und langen Strecken wären in Nelson aber echt Shuttles von Nöten, um mehr als 2 bis 3 ganze Abfahrten am Tag zu machen.

Mit Anna und Lissi hatten wir uns beim Campingstuhlprobesitzen im Warehouse an einem Regentag zum Kajakfahren im Abel Tasman National Park verabredet. Und deshalb trafen wir uns dort, natürlich wieder im absoluten Starkregen. Zum Glück hatte der bisher schönste Campingplatz auch einen Container, in dem wir uns abends untersetzen konnten. Die Kajaktour war dann aber doch bei Sonne, die gebuchte Freedom Tour begann aber mit einer zweistündigen Einweisung. Da konnten Felix und ich auch nicht mit unserer Surferfahrung von den zwei Wochen am Beachhouse abkürzen. Den Frust runtergeschluckt paddelten wir drauf los, um eine Insel und zum erstbesten Strand, an dem wir den Sonnentank mal wieder richtig aufluden.

Unweit vom Campingplatz lag der kleine aber feine Kaiteriteri MTB Park, auch eine Jumpline sollte er haben. Nach der Auffahrt zum Einstieg machte mir unser Estima nicht das schönste Geburtstagsgeschenk, er rauchte. Motorhaube auf, reingeguckt wie die Schweine ins Uhrwerk, Motorhaube wieder zu und ab aufs Rad. In solchen Momenten hätten wir gern mal Nicos Meinung! Der Park war echt cool, wenn auch nicht super technisch und keine supergroßen Sprünge, aber mit ein paar coolen Ausblicken, Steinformationen und durchdachten Uphill Trails. Fette Empfehlung für einen Tagestrip! Schwupps zum Geburtstagsabend wieder in Nelson gönnten wir uns reichlich, das Highlight war die Desertpizza bei Dominos! Am nächsten Abend trafen wir Peter und Ines, die das Weihnachtsgeschenk meiner Eltern für mich dabei hatten und uns zum Bier einluden. Wie wir hier so sind, nehmen wir natürlich alles, was wir kriegen können. Nicht im negativen Sinne. Das Geschenk war ein Unterwassergehäuse für meine Kamera. Jetzt muss ich wohl doch einen Tauchschein machen?

Kleiner Exkurs zum Erlernten auf der Reise:
Wir haben so viele Menschen erlebt, die einfach bedingungslos geben. Die einen, weil sie selbst Reisende waren und uns diese Erfahrung erleichtern und bereichern möchten. Die anderen, weil das anscheinend einfach so gemacht wird bei den Kiwis. Warum können wir also nicht auch teilen, was sowieso da ist? Jedenfalls muss man es wahrscheinlich am eigenen Leib erlebt haben wie Fremde einfach ins Haus gelassen werden, um selbst Gefallen daran zu finden. Jedenfalls wird uns hier so viel Vertrauen entgegengebracht, dass wir es absolut selbstverständlich finden es nicht auszunutzen. Wäre ja schön, wenn man in Deutschland auch so eine Herangehensweise hätte.

Mit einem Schweizer auf dem Campingplatz verabredeten wir uns zum Radeln am nächsten Tag, es blieb aber wegen erneutem Regen dabei übers Radfahren zu philosophieren. Dabei hörten wir eine der inspirierendsten Bike-Geschichten seit langem: Nach Kelly McGarrys Tod hat sich Alex zwei Jahre lang die Haare wachsen lassen und sie anschließend an Kellys Gedenkstein in Queenstown abgeschnitten und seinem Idol zuliebe in den Wind geworfen. Das machte echt fast Pipi in die Augen so eine herzliche Geschichte zu hören. Hoffentlich treffen wir Alex nochmal in Rotorua oder eben mal in der Schweiz!

Nächstes Ziel: Christchurch

Auf dem Weg dahin machten wir anhand von Trailforks zwei weitere Stopps fest. Der erste war in der Nähe von St. Arnaud am Teetotal Bikepark. Nach lustigem Uphill Trail war der Grade 5 ein steiniger Bach mit Sumpfloch am Ende, das keiner von uns auch beim 2. Versuch zu durchfahren vermochte. Der andere Trail war cooler, aber auch nicht das gelbe vom Ei. Immerhin war die Landschaft schön. Die F*CKING Sandflys scheuchten uns am Abend schnell in den Estima.

Der zweite Stopp war in Hanmer Springs, wo uns nach dreistündiger Fahrt durch Niemandsland ein hübsches Touristenörtchen empfing. Nach easy Trailrunde im Sonnenuntergang planten wir am nächsten Tag mal zu wandern. Der Aufstieg zum Mt. Isobel stellte sich als bisher beste Wanderung im Gesamtpaket heraus. Nicht zu lang, aber trotzdem anspruchsvoll und mit einem hübschen Wasserfall auf dem Weg. Und keine tausenden Touristen. Weil das nicht genug war, wanderten wir zum Sonnenuntergang noch auf den Stadthügel. Unsere Beine dankten uns das am nächsten Tag mit Muskelkater.

In Christchurch wurden wir herzlich empfangen und hatten ab der ersten Nacht eine Unterkunft bei Emma und Simon. Hier versuchen wir dann mal Arbeit zu finden, werden uns aber erstmal mit drei Tagen liftunterstütztem Radfahren belohnen.

See ya!

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