Seitdem wir das Strandhaus verlassen haben, bahnten wir uns unseren Weg vorbei an Auckland nach Raglan, Taupo und Rotorua. Unsere Zufriedenheit stieg von Ort zu Ort und unsere Planlosigkeit stellte sich als teilweise gewinnbringend heraus.

Auf dem Weg nach Auckland fuhren wir mal eben beim Bay of Islands vorbei, Strand juckte uns allerdings nicht mehr so sehr nach zwei Wochen im Bach. Der Geheimtipp Glühwürmchenhöhle in Hunui stellte sich auch gar nicht als so geheim heraus, da wir zusammen mit vier anderen Deutschen den Eingang betraten und bis in die Sackgasse auf äußerst schmierigem Lehmboden rumschlitterten. Ein paar Glühwürmchen konnte man auch sehen sobald man allen Anwesenden klar gemacht hat, dass dazu die Taschenlampen ausgeschaltet werden müssen.

Zurück in Auckland wurden wir von Mark und Natalie herzlich empfangen und es war wie nach zwei Wochen Urlaub nach Hause zu kommen. Und weil wir keine weiteren Umstände machen wollten, schliefen wir nach einem Monat in Neuseeland die allererste Nacht in unserem Toyota Estima unter atemberaubenden Sternenhimmel. An Schlafsack und Mücken mussten wir uns erstmal ein bisschen gewöhnen und wie das immer so ist mit der ersten Nacht an einem neuen Ort, schliefen wir nicht so erholsam. Nach dem Abschied auf längere Zeit, fuhren wir mit erwärmten Herzen das erste Mal südlich aus Auckland raus, holten mein neues Bike noch fix ab und standen eine Menge im Stau. Beim empfohlenen Wasserfall hatten wir schon gar keine Lust mehr auf Wasserfall, da gefühlt alle 5km am Straßenrand was von einem ‚Waterfall‘ oder ‚Scenic Lookout‘ steht. Also suchten wir einfach einen Ort zum Freecampen und machten es uns unterm Sternenhimmel gemütlich.

Auf dem Weg nach Raglan hielten wir kurz in Hamilton, aber Städte sind hier nicht wie in Europa mit sowas wie Altstadt oder Geschichte, also gleich weiter zum Ziel. Unser Strandhausmitbewohner Rema war schon dort und durch ihn kamen wir an einen recht guten Deal für Surfboard- und Wetsuitverleih. Total euphorisiert paddelten wir am ersten Tag gegen die Wellen und wollten uns gleich aufs Brett stellen. In der Waschmaschine konnten wir nochmal drüber nachdenken. Bei einer zweiten Session am Nachmittag wars viel lustiger, weil man direkt von der Sandbank in die Wellen hüpfen konnte. Der zweite Tag war auch so. Und wir entdeckten den Skatepark mit benachbartem Asphalt Pumptrack, wo mir mit einem Biker ins Gespräch kamen. Es stellte sich heraus, dass das Chris war, zu dem Felix‘ Rad unterwegs ist und wir durften ab dem Abend für vier Nächte in seinem alten Haus schlafen. Natürlich gegen etwas Gartenhilfe am nächsten Tag. Er zeigte uns welche der 5000 geplanzten Bäume Teil seiner Permakultur sind und wie man ein Haus von oben nach unten baut.

Das kleine Haus in dem wir wohnten, war schon die zweite Version in der Chris zwei Jahre lebte. Es war total autark, solar- und regenwasserversorgt, mit Komposttoilette und total gemütlich. Zudem fand sich das eine oder andere interessante Buch im dortigen Regal und wir konnten unser Thai Curry endlich mal wieder auf zwei Herdplatten kochen. Surfen war am 3. und 4. Tag unseres Leihs nicht sehr zufriedenstellend. Bei viel Wind mit stark aufschwimmenden Anfängerboards gegen schnell brechende Wellen anpaddeln macht einfach keinen Spaß. Aber wir wollten eigentlich mal mehr als Weißwasser surfen. Auf jeden Fall war das eine Erfahrung, mehr gelernt habe ich in der Zeit allerdings auf dem Skateboard. In dem kleinen MTB Trailpark direkt am Strand konnte ich auch mein Bike die ersten Male ausführen. Einmal alles Fahren waren zwar nur 5km aber besser als nichts!

Als Chris seine Hütte wieder auf AirBnB vermietet hat, verzogen wir uns für eine Nacht Richtung Ruapuke Beach südlich von Raglan und bestiegen von dort aus den Mount Karioi, der immer wolkenverhangen über den Surfspots Raglans steht. Das ganze stellte sich als in echt herausfordernder Walk heraus, die angegebenen drei Stunden bis zum Gipfel brauchten wir auch durch den verblockten Urwald mit teilweisen Klettereinheiten. Obwohl Freedom Camping an dem Strand nicht erlaubt war, versuchten wir unser Glück und kochten im Sonnenuntergang. Immerhin war der Ort 30min Gravelroad von Raglan entfernt.

Zurück auf dem Maori Campingplatz mit kalten Duschen und ohne Wohnlichkeit außer im Van, verbrachten wir noch ein paar Tage in Raglan. Und grundsätzlich warteten wir nur noch auf Felix‘ Bike, vertrieben uns die Tage mit chillen, auf dem Pumptrack oder mit Fish&Chips und Pie essen. Als Hannes, der genauso lang wie wir in Neuseeland ist, uns erzählte, was er in der gleichen Zeit auf seiner Radreise schon alles erlebt hat, packten wir den Van und fuhren am nächsten Tag nach Taupo um dem Trübsalblasen zu entgehen.

Dort gabs einen Dirtpark, ein ziemlich großes Trailcenter und heiße Quellen zum Zeitvertreib. Die MTB Strecken waren zwar zahlreicher und länger als in Raglan aber insgesamt eher alles Flowtrails, also nicht so geil für 170mm Federweg. Der heiße Bach im Thermal Spa Park war echt eine Touristenattraktion, 42°C warmes Wasser einfach so aus der Erde ist aber auch angenehm unbekannt. Der kostenlose Campingplatz auf dem wir vier Nächte pennten, war auch nicht sehr luxuriös mit seinen Dixiklos und zahlreichen lauten deutschen Abiturienten. In Taupo waren die meisten, um von dort aus das Tongariro Alpine Crossing zu gehen. Wir folgten Hannes‘ Empfehlung, parkten am Ende der Wanderung und gingen den gleichen Weg auf den Gipfel wie auch runter und sparten uns 35$ Shuttle pro Person. Das einzig alpine waren jedoch die letzten 1-2 Kilometer vor dem Gipfel und beim nächsten Mal würde ich Laufschuhe statt den fetten Boots vorziehen. Die meiste Zeit war unser Weg geschottert und mit Rasengittersteinen befestigt. Irgendwie muss er ja auch für die nächsten hunderten Touristen am nächsten Tag erhalten bleiben. Trotz allem war die Vulkanlandschaft, die Emerald Lakes und der Blick auf den Schicksalsberg sehr imposant und den Weg wert. Aufm Rückweg nach Taupo hüpften wir bei einem kleinen Geheimspot, den wir in der App Campermate entdeckt haben in das klare, kalte Wasser des Lake Taupo.

Und weiter gings nach Rotorua, sehenswürdigkeitenmüde an allen Schildern auf dem Weg vorbeigefahren und wieder dank Campermate einen super Campingplatz mit Duschen, Trampolin, Hot Pool, Küche und Mirabellenbaum gefunden. Dort verbrachten wir einfach mal Weihnachten, was für uns eher der Name des Zeitraums war als das Gefühl, das wir in den Tagen hatten. Statt Gans bei Oma gabs Thai Curry und jeden Morgen Eierkuchen. Und statt schlammigen deutschen Christmas Rides furztrockene Summerrides auf feinsten Trails, die der Redwood Forest zu bieten hatte. Beim ersten Versuch dort Trails zu fahren, schreckten mich die 150km an Möglichkeiten ab alleine loszufahren und nach ein paar Runden im Skill Park, wo ich Dirt Jumps für mich entdeckte, lernte ich den Local Justin kennen, der mich an ein paar Tagen mit auf eine Runde nahm und das beste der Gegend zeigte. Und die Gegend hatte wirklich alles, was man sich als Mountainbiker vorstellen kann. Jumptrails, technische, verblockte Strecken, aber auch schnelle flowige Trails. Der Untergrund ist hier sehr sandig, was sich an allen beweglichen Teilen negatig bemerkbar macht, hingegen positiv sauber bei Regenwetter. Als Justin und ich etwas warm geworden sind, hat er angeboten, Felix sein Zweitrad zu leihen, um uns begleiten zu können. Das brauchte er natürlich nicht zwei Mal sagen! Nach unseren Touren lud er uns immer zu sich nach Hause ein, kochte jedes Mal stolz den besten Kaffee, den wir bisher in Neuseeland hatten und verwöhnte uns mit Süßigkeiten. Unsere Unterkunft für die Woche während des Crankworx Festivals ist auf jeden Fall auch gesichert!

Unsere Pläne zum Jahreswechsel waren nicht sehr konkret und vielleicht wollten wir in Rotorua ein bisschen von Bar zu Bar wandern. Doch auch da schaffte Justin Abhilfe. Sein Kumpel macht eine kleine Party auf seinem Grundstück am See und Justin spielt dort mit seiner Band seinen allerersten Gig. Freilich waren wir dort dabei. Unter den Anwesenden waren wir zwar genau in der Mitte der Generationen, aber gefühlt haben wir nicht mit unseren Eltern gefeiert. Wir waren jedenfalls nicht die Letzten als wir in der Morgendämmerung in den Van gekrochen sind.

Und wie das in Neuseelandmanier so ist, durften wir auch die nächsten Tage dort campen und blieben letztendlich für 7 Nächte. Uns wurde mehrfach versichert, dass wir herzlich willkommen sind, da alle wissen wie es ist Reisender zu sein und wir für Bauunternehmer und Filmproduzenten keine großen Umstände machten. Nach ausnüchtern und mehr Party am 1. Januar durften wir mit aufs Boot, in eine abgelegene Bucht des Lake Rotokauri fahren, im Schlauch hinterm Boot hergezogen werden und den Abend in ausschließlich per Boot erreichbaren Hot Pools ausklingen lassen. Und ganz nebenbei ergaben sich Unterkunftmöglichkeiten bei verschiedenen Familien in ganz Neuseeland. Es scheint als wäre das Glück hin und wieder mit uns. Jedoch nicht so sehr beim verregneten ersten Ride des neuen Jahres. Ich war etwas langsam für einen Sprung und demolierte meine Felge, sodass ich beim bergaufdemmeln etwas im Sattel hüpfte. Im Specialized Store fand ich dann aber einen Mechaniker, der mir sein komplettes Hinterrad für 200$ verkaufte wodurch wir jetzt ein komplettes unrundes Ersatzhinterrad besitzen. Verhandlungssicher würde ich mein Englisch aber leider noch nicht bezeichnen.

Nach dem verregnetsten und stürmischsten Tag, den wir mit Klamotten waschen und langsamen WLAN in der Bibliothek verbrachten, änderte sich auch die Sendungsverfolgung für Felix‘ Bike und wir konnten es eeeeendlich in Raglan abholen und nach 2 Tagen Slip’n Slide in den Redwoods gen Süden durchstarten. Der ‚Warteurlaub‘ der letzten Wochen ist jetzt also vorbei, jedoch hätten wir wahrscheinlich nicht so viele Kontakte geschlossen und so eine einwöchige Silvesterparty erlebt. Ich bereue auf jeden Fall nichts.

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